Erste Idee für Startup Weekend: affiliates4charity-Projekt
Über einen Beitrag von Robert Basic bin ich auf das Startup Weekend Hamburg gestoßen. In aller Kürze: Ein paar Leute denken sich was aus, die beste Idee wird ausgewählt und nach einem Wochenende Brainstorming & Express-Planung in die Tat umgesetzt. Alle offiziell registrierten Teilnehmer sollen automatisch eingetragene Gesellschafter des Startups werden.
Hört sich doch auf alle Fälle nach einem interessanten Experiment an. Mir gefällt vor allem die Spontaneität. Keine ewigen Diskussionen, kein monatelanges Planen, sondern Just-do-it. Vor einigen Wochen habe ich mir eineinhalb Stunden gegönnt, um mir den von Guy Kawasaki moderierten Startup-Talk anzuschauen. James Hong Mitgründer von HotorNot.com wurde nach der Notwendigkeit eines Business Plans gefragt. “Haben wir nie gemacht. …wir waren zu sehr mit der Umsetzung beschäftigt”, sagte er dazu.
Robert sieht vor allem ein Problem darin, den Koordinationsaufwand zu meistern. Zudem sind in den Kommentaren einige Fragen aufgeworfen worden.
Und wer managet die Firma nach dem Wochenende? Wer von den voraussichtlichen 100 Gesellschaftern wird später noch wie viel dran arbeiten?
Wer erklärt den 3 Leuten, die das vielleicht dauerhaft tun wollen, warum sie nur je 1% Anteile haben, während die restlichen 97% nichts tun und im Erfolgsfall trotzdem den Großteil des Geldes kassieren?
Klingt mir zu romantisch, als dass das funktionieren könnte für ein kommerzielles Projekt.
Für ein gemeinnütziges Projekt könnte es allerdings funktionieren. Da wär ich evtl. auch dabei.
[by Thomas Promny]
Anreize so zu setzen, dass jeder Teilnehmer zu mehr Leistung motiviert wird, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Projekt. Möglicherweise ist ein gemeinnütziger Zweck, wie Thomas Promny überlegt, einfacher zu verfolgen.
Ein weiterer Kommentar geht in die gleiche Richtung:
super Sache, nur wäre eine kommerzielle Gründungsidee wohl sehr schwierig zu machen mit 100 Gesellschaftern. [...] Eine gemeinnützige Gründungsidee fände ich jedoch sehr sehr gut.
[by Tobias Spill]
Erste Idee für Startup Weekend in Hamburg…
Vor einigen Wochen habe ich mir überlegt, wie man Affiliate Marketing nutzen könnte, um Gelder für einen guten Zweck einzuwerben. Grundsätzlich halte ich nichts davon, Almosen zu sammeln oder betteln zu gehen, weil ich der Meinung bin, dass derartige Aktionen nicht nachhaltig sind. Menschen tendieren dazu, auf Anreize zu reagieren. Viele werden sich deshalb langfristig nur dann für wohltätige Zwecke einsetzen, wenn sie sich selber einen Nutzen davon versprechen. Prominente aus Politik und Wirtschaft beispielsweise setzen Spenden oft gezielt ein, um sich Anerkennung zu verschaffen oder ihren Ruf oder den ihrer Firma aufzupolieren. Manch einer findet es unethisch, wenn Spender nicht ausschließlich sozial motiviert sind, sondern auch andere Ziele verfolgen. Ich sehe das anders. Wenn Nutzen auf beiden Seiten entsteht, ist es leichter, Leute dazu zu animieren, Geld für soziale Zwecke locker zu machen.
Die Idee, die ich im Kopf habe, ist folgende:
Man reserviere die Domain affiliates4charity.net. Dann nehme man ein geeignetes Tool, um einen Affiliate Cash-back-Shop à la Mr. Rebates aufzusetzen bzw. um die Produktdaten der Merchants via API zu beziehen und zu integrieren (z.B. Synthasite; Ich kenne Vinny, neuerdings CEO von Synthasite, ganz gut und könnte mal anfragen, ob die ihr Tool zur Verfügung stellen würden und bei der Entwicklung des Shops etwas helfen würden). Mitglieder und Käufer von MrRebates bekommen einen Teil der durch die Shop-Betreiber generierten Provisionserlöse zurück erstattet. Dieser Teil könnte auch für einen wohltätigen Zweck genutzt werden.
Doch wie bekommt man nun Traffic? Wie setzt man Anreize, den Shop zu promoten?
- Man eröffne einen Account (“Charity-Account”) bei einem Affiliate-Netzwerke (CJ, Affilinet, Zanox, Webgains,…, wer will mitmachen??).
- Blogger/Website-Betreiber nutzen die Web 2.0-Dynamik, um das Projekt zu promoten und sich und andere dazu zu animieren, auf der affiliates4charity-Website einen Publisher Account zu eröffnen. Jeder Teilnehmer setzt einen Link zur affiliates4charity-Site, was zur Linkpopularität beiträgt.
- In ihrem Account können sie – wie in einem Affiliate Netzwerk – Werbemittel für beliebige Merchants auswählen, die dann automatisch via SubID einen Parameter erhalten, anhand dessen sie eindeutig identifiziert werden können, was notwendig ist, um den Teilnehmern Provisionen zurechnen zu können.
- Auf ihrer Website können die Charity-Affiliates die ausgewählten Werbemittel bzw. Links zu Produkten hunderter Merchants platzieren (alternativ auf den affiliate4charity-Shop verlinken, je nach dem was sich als effektiver erweist). Jeder Affiliate, der Provisionen von mindestens X Euro erzielt hat, bekommt einen Backlink auf seine Seite. Die Provisionen fließen nicht (oder nur zum Teil) dem Affiliate zu, sondern (primär) dem Charity Projekt. Die 50 oder 100 Förderer mit den höchsten Provisionserlösen bekommen eine Profilseite (Charity-Provisionen sichtbar), auf der sie die Möglichkeit haben, sich und ihre Firma vorzustellen. Zudem wird ihnen ein affiliates4charity-Zertifikat ausgestellt.
- Der Erlös aus dem affiliates4charity-Projekt fließt verschiedenen Non-Profit-Organisationen in einem Verhältnis zu, das sich aus den Präferenzen der Förderer ergibt (jeder Teilnehmer kann angeben, an wen seine Provisionserlöse gehen sollen). Die begünstigten Organisationen liefern wieder einen Backlink und promoten das Vorhaben.
Sinnvolle Ergänzungen:
- Merchants zahlen Provisionen in der Höhe, dass gerade noch der Stückdeckungsbeitrag der verkauften Produkte erzielt wird und bekommen ein Profil und eine affiliates4charity-Zertifizierung (zeitliche Beschränkung möglich).
- Wenn sichergestellt ist, dass weder Merchants und Affiliate-Netzwerke, noch der Betreiber von affiliates4charity verdient und das ganze Projekt als Wohltätigkeitsverein anerkannt ist, dann wäre man möglicherweise auch zur Teilnahme am Google Grants Programm qualifiziert und könnte gratis SEM-Kampagnen schalten. (Ob Google da mitspielt? Es war ja schließlich sicherlich nicht geplant, die teuren Slots für produktbezogene Keywords zu verschenken)
Rollen der Beteiligten (im Detail)
Der Kunde/Käufer trifft im Netz (auf Blogs, Webseiten, …) auf affiliates4charity-Links. Wenn er diesen folgt, wird er automatisch entweder zum Händler oder zum affiliates4charity-Shop weitergeleitet. Tätigt er dort einen Einkauf, so wird ihm ein Anteil der im Affiliate-Netzwerk üblichen Provisionen auf sein affiliates4charity-Konto gutgeschrieben.
Blogger/Website-Betreiber platzieren affiliates4charity-Links auf ihren Seiten und leiten Kunden, wie oben erwähnt, weiter. Tätigen die Kunden einen Kauf, wird dem Blogger/Website-Betreiber ebenfalls ein Anteil an der Provision auf sein Konto gutgeschrieben.
Merchants/Händler können das Projekt freiwillig unterstützen, indem sie höhere Provisionen als üblich gewähren (evtl. auf eigenen Profit verzichten). Dieser zusätzliche Provisionsanteil wird dem teilnehmenden Händler auf sein affiliates4charity-Konto gutgeschrieben.
Affiliate-Netzwerke kümmern sich um das Tracking und um die Verwaltung der affiliates4charity-Erlöse. Die dem Affiliate-Netzwerk für seine Leistung zustehenden Provisionen werden dem entsprechenden Betreiber des Netzwerks auf sein affiliates4charity-Konto gutgeschrieben.
Die begünstigten Non-Profit-Organisationen (z.B. Greanpeace, Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International, …) unterstützen das Vorhaben, indem sie auf das affiliates4charity-Projekt verweisen (durch Pressemitteilungen oder Links). Sie erhalten entsprechend der Präferenzen der affiliates4charity-Kontoinhaber Spenden.
Jeder einzelne Teilnehmer des Projekts ist also Inhaber eines eigenen affiliates4charity-Kontos. Die erzielten Provisionen der Teilnehmer werden auf der affiliates4charity-Site aufgeführt. Blogger, Website-Betreiber, Händler und Affiliate-Netzwerke erhalten Backlinks auf ihre Seiten. Alle Teilnehmer, die einen vorgegebenen Mindestbetrag an Provisionen erzielt haben, erhalten die Möglichkeit, sich in einem Profil zu präsentieren und bekommen ein affiliates4charity-Zertifikat.
Socialpower.net – respektabel!
Gestern habe ich mich durch die Foren der Internet-Marketing Gruppe auf Xing geklickt und bin rein zufällig auf einen Link zu SocialPower.net gestoßen. Wie ich festgestellt habe, ist vor mir schon jemand auf eine ähnliche Idee gekommen. Der Grundmechanismus ist eigentlich derselbe, lediglich die Implementierung ist etwas anders bzw. weniger komplex. Der zentrale Faktor, quasi der Motor des ganzen liegt bei socialpower.net ebenso wie bei meiner Idee im ökonomischen Anreizsystem.
Ziel des Online-Spenden-Netzwerks SocialPower.net ist es, ein möglichst großes Spendenaufkommen für ausgewählte gemeinnützige Institutionen (innerhalb des Netzwerks „Begünstigte“ genannt) zu erwirtschaften und durch diese neue Art des „Fund-Raising“ ihre wertvolle Arbeit zu unterstützen.
Dieses Ziel soll nicht durch Bitten um Spenden erreicht werden, sondern durch Einklinken des Netzwerks in einen kommerziellen Kreislauf.
Ein Manko der bisherigen Implementierung sehe ich in der mangelnden Flexibilität. Zum einen können bisher nur vorgefertigte, statische Banner verwendet werden, während Textlinks bspw. nicht möglich sind. Zum anderen – und hier sehe ich eine enormes Verbesserungspotenzial – ist es nicht möglich, Kunden direkt auf die Seiten des Händlers zu schicken. Auch der Cash-back Shop, der wegen der Produktaggregation einen großen Wert für den Kunden hätte, fehlt. Förderer haben also keine Möglichkeit – wie beim Affiliate Marketing üblich – Produkte der Händler direkt zu promoten, sondern können immer nur auf die Startseite SocialPower.net verlinken, was natürlich zu erheblichen Ineffizienzen führt, vor allem, weil dort direkt keine Produkte zu finden sind, sondern nur Links zu wenigen Händlern. Über Affiliate-Netzwerke könnte man mit geringerem Aufwand kooperationsbereite Händler finden, da Tracking-Lösungen bereits bestehen, was dem Händler Zeit und Mühe erspart. Wie auch immer, ein cooler Ansatz!
Fazit
Das ganze System wäre meiner Meinung nach ein faszinierendes Anreizsystem, das die Kräfte des Performance Marketing, des Web 2.0 und technologischer Möglichkeiten für einen guten Zweck ausnutzt.
Die Idee ist bisher nur ein Grundgerüst, auf dem man eventuell gemeinsam aufbauen könnte. Denkt Ihr, man kann da gemeinsam was auf die Beine stellen? Wo könnte es Probleme geben? Weitere Vorschläge? Wer verwaltet die Zahlungen? Haben die deutschen SEOs evtl. einen Ratschlag, wie die Teilnehmer den Charity-Shop gemeinsam pushen könnten? Hat jemand aus der Affiliate-Community Vorschläge?
Ein großes Lob an SocialPower.net! Die Macher hatte nicht nur eine Idee (so wie ich), sondern haben sich auch die Mühe gemacht, das ganze umzusetzen. Auch wenn an der ein oder anderen Stelle Verbesserungen möglich sind, hat das Projekt auf alle Fälle ein großes Potenzial. Viel Erfolg! Vielleicht gibt es ja mit affiliates4charity.net irgendwann ein Partner-Projekt.

Am 13. Juli 2007 um 14:33 Uhr
Interessantes Projekt und schöne Vision. Aber natürlich auch sehr komplex. Wenn alle anpacken, könnte das aber schon klappen. Good luck!
Am 13. Juli 2007 um 14:33 Uhr
Klingt interessant. Vor allem der Marketingansatz passt und unterscheidet es von z.B: planethelp.de das nie den Durchbruch geschafft hat.
Allerdings glaube ich das die Umsetzung eine (technische) komplexität darstellt, die in einem Wochenende nicht mal ansatzweise zu stemmen ist.
Laß uns auf jedem Fall an dem Wochenende mal über den Ansatz schnacken, auch wenn was ganz anders umgesetzt wird.
Am 13. Juli 2007 um 14:38 Uhr
Claus, Du hast natürlich völlig recht. Die Komplexität ist schon erheblich und an einem Wochenende lässt sich das wohl kaum in die Realität umsetzen. Vielleicht würden sich aber Sponsoren (Merchants, Affiliate Netzwerke) dazu bewegen lassen, das Projekt mit Know-how zu unterstützen.
Am 13. Juli 2007 um 16:41 Uhr
Startup Weekend findet statt am 22./23.9.2007 in Hamburg…
Nochmal kurz vor dem ersten Sommerwochenende: Das erste deutsche Startup Weekend in Hamburg soll tatsächlich steigen, und zwar Ende August in der schönsten Stadt der Welt. Bei Cem im Blog gibts erste Infos zum Startup Weekend als solches, ein…
Am 13. Juli 2007 um 17:32 Uhr
Andreas,
wie wär es mit diesen Ideen:
http://www.partnerprogramme.co.....-ideen.htm
Mir gefällt vor allem die erste.
Claus
Am 13. Juli 2007 um 23:06 Uhr
Ich finde die erste Idee, also eine Art Kollaborations-Tool zu bauen, das für zukünftige Startup Weekends eingesetzt werden könnte, gar nicht schlecht. Warten wir doch mal ab, wie die erste deutsche Auflage denn so läuft. Dann lässt sich auch einfacher abschätzen, ob es überhaupt noch ein zweites Mal gibt. Wie erfolgversprechend die Vermittlung von Keywords in Subdomains ist, kann ich schwer einschätzen.
Am 21. Oktober 2008 um 22:54 Uhr
Startups aus der Retorte – Startup Weekends gescheitert?…
Die Nutzung des Community-Gedankens zur Gründung von Startups hört sich nach einer spannenden Idee an und passt perfekt in die Web 2.0-Kultur. Lassen sich aber mit Hilfe Startup Weekends tatsächlich erfolgreich neue Unternehmen gründen? Ist eine …